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Träumend, die Erde sei lebendig


von Benedikt Kuhn


*

Im Dunkel entstehen Schemen und langsam hört man etwas. Manche kommen sprechend, manche still, manche an meiner Wange, manche in silbrigen Kontextwolken oder Sprachnachrichten, die ihre Leerstellen herstellen. Es geht ein Wind über die Lichtung, in der Mitte steht ein Bett. Ein Überblick ist schwer zu bekommen, mal sieht man ein halbes Profil, mal einen Unterarm, zur Begrüßung um einen Hals geschlungen.
Jemand räuspert sich laut aber schon der erste Satz wird vom Gemurmel geschluckt — kurz dachte man Eröffnungsrede. All unsere gegenseitigen Lektüren, mögen sie auf einen Drink hinauslaufen oder einen Kuss, salutieren den „uralten Uhren-ähnlichen Subsystemen in unseren Gehirnen, ausgestorbenen Viren in unserer DNA, Bakterien in unseren Gedärmen und endosymbiotischen Mitochondrien in jeder Zelle“,1 die das alles heute möglich gemacht haben! Was wir über unsere Körper und unsere Körper über sich wissen, ist hier im milchigen Licht nicht so leicht zu sagen; die Ensembles von Annahmen, die das Wort konstituieren, shiften und kippeln. Die versammelten Kortizes, Hormone und Gesten — wie die phones in unseren Händen, dunklen Wipfeln über den Köpfen und Moos unter den Füßen — sind unfassbar kontingente Effekte geobiologischer Evolution, deren Ursprung in deep time in unsere Gehirne nur als Ahnung eingeschrieben ist. Und genauso wesentlich ist das superkonkrete, mal mehr mal weniger präsente, Wissen um Hände auf Rücken, Lippen an Ohren, leichte Kopfschmerzen, Feinde von früher. Nicht alles bewegt sich wie ein Selbst, von Zeit zu Zeit verschwindet was, kommt was dazu, zu selbstverständlich fast.
Vom Rand der Lichtung zwinkern weiße Augen in den Schatten, aus der Ferne ein Kreischen und im Boden rumorts. Die homies sprechen vom Ende und es ist der heißeste Sommer, seitdem die meisten von uns geboren wurden. Wir tanzen; man muss im richtigen Maß mitmachen und sich zurücknehmen, um den fragilen Reigen in swing zu halten. Kurz wird es sketchy, ein Ast bricht krachend und jemand hält das nicht aus und packt sein Verbundenheitsgefühl hektisch-euphorisch in Worte. Unangenehm; kniffliges Problem: Es gibt aktuell vielleicht schon mehr als je zuvor die Notwendigkeit, sich als wesentlich umweltlich zu verstehen. Und gleichzeitig ist die Sprache der Ökologie, zumindest im globalen Norden, so vulgär, dass alle Tropen, in die sich diese notion ja kleiden muss, um erscheinen zu können, aufs Genaueste gecheckt werden müssen. So genau, dass Aussprechen vielleicht einfach noch gar keine Option ist, denkt sich die Spickerin und gleitet verstimmt vom dancefloor ins Unterholz, um die memoire involuntaire eines widerborstigen Textes zu entpacken, die der unpleasant Zwischenruf ausgelöst hat.

Im Feuchten, im Dunkeln, Rascheln etc. also, nimmt sie ihr Werkzeug, die Notizapp, raus und eine kleine Dekonstruktion vor, um sich den hier plötzlich ausgebrochenen Geist des in corpore und seine Verschmelzungsdrohung auszutreiben. Zuletzt, wenn Menschen darüber sprechen, wie sich ihr historisches Selbst als planetarisches Agens in die Oberfläche der Erde eingeschrieben hat — und damit über die anstehende Selbstauslöschung ihrer Spezies — kommt das summierende Subjekt als grammatisches in’s Spiel. Es ist in dem Blockbusterterm Anthropozän miteingekauft. In der Tat wird der eigene Körper dann als ganzweltlicher gewusst, aber leider auf die falsche Weise. Wie in dem Ausruf, der die Spickerin von der Lichtung vertrieben hat, macht sich ein hollywoodesques „wir“ breit, von dem unklar ist was es will und überhaupt sein soll. Na, „wir“, Anthropos! Flüstert ein sinistrer Gymnasiallehrer aus dem Dickicht und massiert die Schultern der Spickerin.
Wird abgeschüttelt: Das Problem „des Menschen“,2 als dessen Teil sich nun alle lebenden Exemplare von homo sapiens wissen sollen, ist nicht nur sein peinliches Pathos. Es ist auch der Moment, den er sich für seinen Auftritt ausgesucht hat: „Die Menschheit entsteht spät am Tag, [genau dann,] wenn sie sich für nicht länger existent erklärt“,3 schreiben Claire Colebrook und Tom Cohen. In dem Moment, in dem Wissenschaftler*innen die Inschrift der anthropogenen Zerstörung des Planeten als Habitat der eigenen und abertausend anderer Existenzformen lesbar gemacht haben, erscheint er als Imperativ, das Ruder herumzureißen und „uns“ zu retten. Dabei verfügt er über zwei verheerende Eigenschaften. Zum einen führt seine Universalisierungsrhetorik zu einer Überblendung entscheidender Differenzen zwischen unterschiedlichen Verkörperungen, an unterschiedlichen Orten, mit sehr unterschiedlichen Verantwortlichkeiten: „Niemand ist unschuldig, aber manche sind schuldig.“4 Zum anderen geht die Verwendung seines Namens in der Regel mit der Annahme einher, die universelle, menschliche Essenz, die er benennt, müsse gegen ihre aktuelle Fassung verteidigt werden, die nur ihr Zerrbild sein könne — Eine Annahme für die es keinen Beleg gibt. Es ist falsch und gefährlich, die Texte, die ansteigende Meeresspiegel, Aussterberaten und andere Klimakatastrophen schreiben, als Hinweise auf die Ankunft einer „wirklichen“, guten und verantwortungsvollen Menschheit zu lesen, denn es ist keine in Sicht.

Aber Anthropos’ message ist halt deswegen so tricky, weil sie nicht ganz nicht stimmt. In der Tat wurden die kleinen Welten auf einem großen Planeten zu einer großen Welt auf einem kleinen Planeten.5 Alles ist hyperconnected; durch klimatische Elemente, Welthandel, Umarmungen und Videochats hindurch. Es ist nur so, dass ein körperloser Allgemeinbegriff, als transzendentale Feststellung unserer Gutheit, nicht das Selbstwissen ist, das wir brauchen.
Den eigenen Körper ökologisch zu verstehen, kann bedeuten untypische Allianzen einzugehen — mit Kompost, klassisch-sozialistischer Literatur oder Pythonskripts —, sich gegen die omnipräsente Kommodifizierung der Lebenswelten und für eine materialistische Politik einzusetzen, es kann bedeuten sich verletzlich zu machen und verlässlich zu sorgen. Was es nicht bedeutet, ist, anzunehmen man sei Teil einer großen Geschichte, an deren Ende eine geläuterte Menschheit — Anthropos’ Essenz — durch die Ruinen der Postapokalypse streift; froh es doch nochmal gepackt zu haben, nachdem es schon richtig schlecht aussah.6 Die Spickerin steckt die Notiz in die Tasche und ist froh ein bisschen Raum zwischen sich und den bedrohlichen Kollektivkörper gebracht zu haben, der noch immer das dämonische Kippbild jedes brauchbaren worldmakings zu sein scheint. Von der Party aus ist es ruhiger und ein Egalheitsgefühl stellt sich ein, von dem noch nicht klar ist, ob es schlecht ist, oder gut. Als die Spickerin zurückkommt, sind schon viele gegangen, was schon immer ihre Lieblingspartyzeit gewesen ist. True to character verbirgt sie sich im Halbdunkel und nimmt Teil, ohne selbst gesehen zu werden. Ihr Gesicht berührt die Blätter vor sich, die von Hi-Hats und pulvrigem Nieselregen sachte bewegt werden. Eine Ameise geht ihr Bein hinunter und flieht aus dem Licht. Die Spickerin spürt die Anderen ganz in der Nähe, was für den Augenblick besser ist, als dabei zu sein. Als es wenige genug sind, findet man sich auf der Matratze in der Mitte der Lichtung. Jemand streichelt meinen Kopf, ohne dass klar ist wer. Es gibt fünf Beine, einen Löffel und die erfreuliche Ahnung, dass Lauren nicht allein nach Hause gegangen sein könnte.




Wir gehen in das Archivlabyrinth hinunter. Nachdem wir BA126K passiert haben wird es zu kalt für T-Shirt und die Geräusche vom Eingang sind vollständig verschwunden. Der gewaltige Textkörper und seine Ökologie der Belüftungssysteme, Hygrometer, schlafenden und nervösen Leser*innen reicht tief in die Erde. Es ist schummrig. Aus der alten Musikwissenschaft dringt ein Choral: Unglaublich lange, fast stumpfe Linien beinahe ohne melodische Bewegung, bevor, kurz vor dem Verklingen, das kleine, fiese Solo einer Knabenstimme über dem dunklen Grund hektische, goldene Arpeggios verstreut. Von der Ingenieurwissenschaft hallen metallene Schläge, dann wird es still. Durch die Abteilungen der Geschichte, Geschichte der Geometrie und historischer Anthropologie beginnt die Bib ihre Filterarbeit und im Austausch mit ihrer Architektur — von den Blicklinien auf ihre Büsten, bis in die intrikatesten Falten ihrer Katalogsysteme — sortiert sie uns in Ichs, je nachdem, in welchem Maß unser Aussehen, Herkunft, Begehren und Geschichte ihrem Organisationskörper entsprechen, der die Fiktion universeller Objektivität mit griechischem Ursprung als weißer, able-bodied, Cis-Mann ausführt. Die Zuschreibungen, die mein Körper in den meisten Umgebungen erfährt, decken sich mit vielen des paradigmatischen Bib-Users — in der Regel wundert es niemanden, dass ich da bin und die Institution fügt mich bruchlos ein. Ich gehe ein bisschen auf Zehenspitzen, um ein Buch in der obersten Reihe zu erreichen, nehme es heraus und zur Kenntnis, dass ich kaum Hilfe brauche, damit mir das Archiv hilft. Es ist mir Verlängerung, Bestätigung und Spiegel, während ich sehe, wie es andere einschüchtert, ihre Knie weich und ihre Stimmen zu laut werden lässt.
Der einzige Verrat, den das Haus an mir verübt hat, war mir zu vermitteln, seine Normalität sei nicht die artifiziellste Konstruktion ever. Als die klagenden Töne der Religionswissenschaft verklungen sind, finde ich mich alleine wieder, mit dem Geräusch meiner Schuhe auf dem Steinboden. Gibt es Wege, meinen Körper aus seiner historisch gewordenen und systemisch geförderten Komplizenschaft mit dem alten Bau zu lösen und die Feinseligkeit seiner Architektur gegenüber Körpern, die anders aussehen, sich anders bewegen oder nicht lesen können zu beenden?
Zumindest liegt es in der Natur des Archivs grundlegend baufällig zu sein, hinter all seiner protzigen ancientness. Seit seiner Errichtung ist es von Eindringlingen und Deserteur*innen befallen, die dabei helfen können, seine großmäuligen Wahrheitsbehauptungen zu unterminieren, eine Skepsis gegen seine Taxonomien zu entwickeln und mir eine Ahnung der Gewalt zu vermitteln, die zu seiner Errichtung notwendig war.7

Ich nehme den zweiten Band einer kompakten aber bissigen Enzyklopädie aus dem Regal und streichele seinen Rücken bis er schnurrt. Dann öffne ich ihn bei E und erinnere mich: Das hier ist kein free floater, sondern selbst ein Beitrag zu einer bestimmten Wissenskartografie der Gegenwart. Sowas hat vor allem mit style zu tun und style vor allem mit dem, was man nicht schreibt.
Das wusste auch Diderot und verfasste einen Eintrag über eine Pflanze, über die den kolonialistischen französischen Gelehrten seiner Zeit quasi nichts bekannt war: „AGUAXIMA (Naturgeschichte. Botanik) Pflanze Brasiliens und der Inseln des südlichen Amerikas. Das ist alles, was man uns von ihr sagt, und ich möchte gerne fragen, für wen solche Beschreibungen gemacht werden. [Sie lassen] die Unwissenden in ihrer Unwissenheit, und [lehren] die anderen nichts: Wenn diese Pflanze also hier erwähnt wird […] ist das eine Gefälligkeit für bestimmte Leser, die lieber gar nichts oder nur eine Dummheit in einem Lexikonartikel finden als gar keinen Artikel.“8 Ich fühle da eine gewisse Nähe zu Big D, die sonst nicht so da ist, weil dieser diss klarerweise nicht in die Encyclopédie gemusst hätte. Nicht nur stand das Wort jetzt aber für eine Weile als in Ruhe gelassenes Geheimnis dort, sondern vermerkt auch einen permanenten Zweifel an der grundsätzlichen Möglichkeit des Projekts, dessen Ziel es sein sein sollte, alle „auf der Erdoberfläche verstreuten Kenntnisse zu sammeln [und] das allgemeine System dieser Kenntnisse den Menschen darzulegen“.9 Es ist weniger bloß eine distanzierte Freude darüber, dass das nicht geklappt hat, sondern schon auch eine Zärtlichkeit gegenüber dem Gedanken, es überhaupt probieren zu wollen. Aber okay, dieser Text hier kann kein Eintrag in eine Enzyklopädie sein. Gegenüber dem großen Titel, unter dem er steht, schnurrt er als partikularste Perspektive zusammen. Ein betrunkenes Wir, einige An- und Mutmaßungen und ein Ich mit Fluchtreflex Richtung Allgemeinbegriff können kein Eintrag sein. Es sei man fände ein anderes Modell als Diderots, das den Begriff selbst transformiert. Es sei denn, ein, um seine Situiertheit wissendes, gestimmtes, immer mindestens halb blindes Schreiben beträte die Szene.

Kurz kommt mein Blättern aus dem Takt und bleibt dann bei dem griechischen Polysem poikilia stehen. Nach Melissa Adler bezeichnet das Wort das Ideal der Methode, nach der die antike Enzyklopädistin Pamphila von Epidaurus die formalen und inhaltlichen Trennlinien zwischen Wissenseinheiten, die ihr in der Lektüre oder mündlichen Überlieferung begegneten überwand.10 In Form einer radikal-poietischen Praxis, die konzeptuell mit den Techniken „des Webstuhls und der Stickerei verbunden war“,11 zielen ihre enzyklopädischen Collagen auf eine spezifische Aktivierung des Körpers. Poikilia ist die Wahrnehmung eines ambivalenten sinnlichen Reizes; es kommt in der Beschreibung irisierender Oberflächen genau so zum Einsatz, wie in Bezug auf gelungene, mehrseitige Bilder der Poesie. Wie die Rhetorik wird es (z.B. von Platon) als dem Erwerb stabilen Wissens abträglich verstanden, weil es die Gefahr der Täuschung durch Affektion impliziert. Einige Zeilen darunter glitzert das zugehörige Adjektiv, mit einer Auswahl verschiedener bunter Steinchen besetzt, wie Aphrodites Gürtel, in dem laut Homer buchstäblich „Liebe, Begierde, flirtation und Überzeugungskraft, die die scharfen Sinne selbst der Weisen stiehlt“12 eingearbeitet sind. Wie die, nur scheinbar unmittelbaren, erotischen und persuasiven Künste in der Inschrift des Gürtels durch avancierte textile Webkunst hervorgebracht werden, steht eine komplexe Ökonomie linguistischer Künste hinter der Produktion von poikilia, die, Rana Saadi Liebert zu Folge, in der Beschreibung des „Sehens, durch das poikilia erkannt wird, ein Modell verkörperten Wissens“13 beschreibt, das Kognition und Emotion verschränkt. Vielleicht so: Pamphilas Schreiben sieht nicht von der Definition ab. Aber es koppelt sie zurück, an die Vielzahl sinnlicher Sensationen, die eine Perspektive auf ein Objekt meint. Definitionen werden Ereignisse, die, in lässiger Verbindung, immer wieder neu, in Ornat bis Strandkleidung aus geschmückten Ankleidezimmern treten. Dinge werden polemisch, poetisch, aphoristisch usw. in ihrem spezifischen Glänzen untersucht, ohne als dessen Grund einen Eigennamen zu vermuten. Wie Pindar, in seiner metapoetischen Verwendung des Terms,14 zielt Pamphilas Arbeit darauf, das Objekt der Lektüre als Objekt der Begierde für die Lesenden zu erhalten und vor dem Kippen in den Ekel der Sättigung (koros)15 zu bewahren, die eine knappe Denotation und ihr Allgemeinheitsanspruch auslösen können.

Ein digitaler Glockenschlag und die Lichter gehen aus. An unterschiedlichen Orten des Labyrinths, hinter kleinen, harten Tischen glotzen wir in die Dunkelheit. Vor mir steht das Wort weiß in der Luft und ich tippe es an. Aber ich bin jetzt ziemlich ziemlich müde und es genügt nicht, ein Wort zu lesen, denn es kann wenig tun, wenn man ihm nicht begegnet.




Irgendwo in Kalifornien, bzw. einem anderen Ende der Welt. Gemischte Vergangenheiten und ein kühler Ostwind tragen Schwefel ins Haus. Wapiti wittern. Unterschenkel jetzt eine Weile schon receiver, in kürzer werdenden Intervallen eintreffender, schmerzhafter Signale unter dem Knie. Die Seismographin schickt 120 Warnungen durch einen, für diese Zwecke eingerichteten, durch Vertrauen und Glasfaser stabilisierten Verteiler und beginnt mit ihren infrastrukturellen und mentalen Vorbeugungen. Neben dem Pochen unter dem Knie jetzt auch in der Tasche, die anklopfenden, mitmeldenden anderen; das Netzwerk vibrierender Körper. Die Erdbeben-Sensiblen von Kalifornien können mit Kodwo Eshun als das „Medium Erde“16 abhörend und selbst vermittelnd verstanden werden. Chthonische Wesen fliehen ihre Heimat an die Oberfläche, zum Tod unter der harten Sonne. Im gedimmten Mittagslicht schwemmen zwei Walkadaver an Land. Die Seismographin hat, als das Geschirr zu klappern beginnt, bereits viereinhalb Stunden lang in der nun ankommenden Zukunft verbracht.17 Ein Schatten fährt über die Welt und akkumuliert Seelen in statistischer Mittäter*innenschaft.




Wo dann? Am Mittag, im Bett. Seit einigen Tagen wird meine Haut dünner und die Flugmodus-Sessions länger. Ich halte mir den screen direkt über die Augen, schaue abwechselnd Flutvideos und starre in die Sonne. Wenn ich kurz raus muss, ist schon vor dem Betreten der Straße ausgemacht, welche Routen ich nehmen kann, um alle denkbaren Begegnungen auszuschließen. Der Drang zur Betäubung, der mich diesen Sommer besonders treibt, muss vermutlich zu einem gewissen Grad als Regulationsmechanismus verstanden werden. Ich lese über Bronisław Malinowskis Körper, von dem Michael Taussig schreibt, wie er eine aufregende Schrift von „intimen Details“ in seinen „berüchtigt[en]“ Tagebüchern produzierte, die von seinem „Grauen vor Hitze und Schwüle“18 berichten, und davon, wie er diese Angst mit Arsen-Injektionen zu bekämpfen suchte. Es ist die Liveskizze einer Ökologie situierten Erlebens: „Tatsächlich kann man [Malinowskis] Tagebuch als Wetterkarte lesen, mit seinem Körper als Thermometer, das Hitze und Überdruß, Hitze und Benommenheit, Hitze und Arsen aufzeichnet“.19 Malinowski osziliert, immer heißer werdend, durch meinen Kopf. Vermutlich würde ein close reading meiner notes die Kombi an Befürchtungen und lascher aber rachsüchtiger Substanzen durch die letzten Tage zeigen, die den sich anbahnenden Moment produzieren mussten. Meine Apathie verliert ihren melancholischen Oberton, der stabilisierend gewirkt hat, indem er metaphysische Truismen variiert und ich schwitze los. Für eine seltsame halbe Stunde merke ich, wie mir das Ding Richtung dort entgleitet, wo Denkkonzepte der Eindämmung kommentarlos somatisch ausgeknipst werden und ich fühle die Federn in meinem Kissen in meinen Kopf stechen, während mich Kopfschmerzen und Übelkeit übernehmen. Die Aspi wirkt nicht. Es ist schon eine Weile her, dass ich mir auf diese Weise entkommen bin. Als die Kopfschmerzen wieder weniger und die Begriffe mehr werden macht sich Traurigkeit in meinem klebrig-feuchten Bett breit. Ich mache mir Sorgen, nicht so sehr wegen des vergangenen Moments, sondern wegen dem, was ich dahinter noch nicht zu fassen bekomme.

Abends winkt mich die Spickerin zurück; über dem Archiv liegt ein Park, in dem wir uns heute treffen. In den letzten Sonnenstrahlen komme ich wieder zusammen. Sterne poppen auf, manche fahren in die Stadt und manche breiten Decken aus, für einen längeren Aufenthalt. „Wir können niemals scheiden, was Wetter und was Götter sind“20 lesen wir in Kittler und unterstützen die Idee, unser kosmisches Sein stärker als solches in den Blick zu nehmen, jetzt, wo es nicht mehr zu leugnen ist. In der geteilten Erfahrung des unbequem-insistierenden terrestrischen Hintergrunds, fühlt der Allergiker eine Nähe zur Seismographin. Bei ihm verhält es sich so, dass die klimatische Umwelt in close collaboration mit all den dunklen Kräften seines organischen Seins, von denen sich manche noch nie zu Wort gemeldet haben, das Jahr anstatt in Monate unter affekttags aufteilt. So richtet angstimapril seinen Oberkörper auf und bläht die Nasenlöcher. Der Allergiker zeichnet das Bild auf eine Serviette, das für ihn das cover dieser Zeit ist, seit er es bei National Geographic gesehen hat: Ein Kind in einem weißen Anzug, mit dem Kopf in einer Glasblase, auf der sich die Sonne spiegelt, zwischen hohen Gräsern und schimmernden Wolken von Pollenstaub. In die Blase führt ein Röhrchen und das Gesicht hinter dem Glas wirkt rundlich. Die Glasmillimeter und die Schutzkleidung, die den Kindkörper vor den Allergenen geschützt halten, stehen in Verhältnis zu der Zweiteilung, die in der griechischen Wurzel des Wortes selbst liegt. Aber inwiefern kann die hinterlistige Etymologie eines Begriffs über den Unfug aufklären, die dessen Referenz in der Welt anstellt? Gar nicht, schätz ich? Mal schauen. So scheint es sich zu verhalten: Das altgriechische Wort állos, das das Semiosenbündel „anders“, „fremd“ und „eigenartig“ meint, kommt mit to érgon zusammen, was „das Werk“, „die Arbeit“ und „die Reaktion“ verbindet.21 Allergía ist die „Fremdreaktion“. Aber wer wie was ist hier Fremd? Der Organismus reagiert auf eine Gefahr, die nicht existiert und produziert eilfertig eine Verwundungsperformance, die unnütz und völlig real ist. Der Allergiker erklärt sich: állos bezeichnet hier nicht das Fremde draußen, sondern das drinnen. Eine paranoide Furcht des Leibs, die sich unterhalb der Bewusstseinsgrenze artikuliert und ein Außen zum Feind erklärt, das er üblicherweise schon in den basalsten Lebensvollzügen seinem Inneren integriert weiß. Das durchsichtige und undurchlässige Glas um den Kopf des Kinds, ist Ausdruck einer Differenz, auf die sein Körper ohne Grund besteht.

Endlich wieder Geraschel und Nacht. Ich und der Allergiker fangen an zu knutschen. Die love currency auf diesem Rasen ist heute Sprechen, als Ahnung ineinander, weil wir wissen was die jeweilige Rede anspielt, auslässt und die kleinen Stöße, lowkey Drohungen und großmütigen Auslassungen passen und hot gefunden werden. Das Linsen der Spickerin ist wohlwollend geduldet, alle anderen gucken auf die Verästelungen, die über der Glaskugel auf der Serviette entstanden sind. Das sind keine Lichtenbergfiguren, sondern ich sag euch wie’s war, sagt der Allergiker in meinen Mund und dreht sich um. Er erzählt von seinem letzten Exanthem, wie er’s bei gekipptem Fenster gespürt hat und noch vor dem Anbruch des Morgens im Bad steht, den Kopf dreht, wie eine Eule und seinen Rücken betrachtet. Von der Mitte erstreckt sich ein rotes Netz, fein verästelt, kleine Erhebungen und Täler produzierend. An den Armen läuft es sich aus und die Haut wird heller. Die Pobacken haben ihre übliche, bleiche Farbe, darüber wächst eine purpurne Krone in die Breite.

Eine Reihe Leuchtameisen formen am Boden ein B. Meine Linke macht sich selbstständig und schreibt etwas, das ein Spiel, ein Alb oder eine Abkürzung ist

















1 John Durham Peters: The Marvelous Clouds. Towards a Philosophy of Elemental Media. Chicago/London, 2015. S. 266
2 Den Donna Haraway an seine griechische Wurzel  νήρ zurückverfolgt, was für „Mann im Gegensatz zu Kind, Gott und Frau“ steht. Vgl.: Donna Haraway: Staying with the Trouble. Making Kin in the Chtulucene. Durham/London, 2016. S. 183
3 Tom Cohen & Claire Colebrook: Twilight of the Anthropocene Idols. London, 2016. S. 12
4 Monika Rinck: Kritik der Motorkraft. Auto-Moto-Fiction in 13 Episoden. Berlin, 2017. S. 19. Für das Anthropozän gilt diese konzise Feststellung z.B. in Bezug auf seine historische Genealogie, die sich im Nachvollzug der Geschichte der Ausschöpfung des Gros natürlicher Ressourcen und der brutalen Ausnutzung und Vernichtung von Menschen und anderen Lebewesen in großen Teilen Asiens, Afrikas, Südamerikas und Australiens durch die Nationen West- und Mitteleuropas, sowie Nordamerikas, in der Verbindung des sich globalisierenden Kapitalismus und Kolonialismus verstehen lässt. In der Gegenwart wirkt diese Geschichte weiter und es ließe sich zudem z.B. auf die sehr unterschiedlichen Effekte des Klimawandels auf unterschiedliche Personengruppen an unterschiedlichen Orten hinweisen (vgl. z.B. die UN-Studie Gender Dimensions of Vulnerability to Climate Change in China hier: https://www2.unwomen.org/-/media/field%20office%20eseasia/ docs/publications/2016/12/deliverable%207-english.pdf?v=1&d=20161208T095438)
5 Titel des thematischen Bandes von Johan Rockström und Mattias Klum. Vgl. Ebj: Big World, Small Planet: Abundance within Planetary Boundaries. Stockholm, 2015
6 https://youtu.be/WcQC1c-53uA?t=74 (Anthropos hier in einer seiner klassischen Rollen: als kleiner Teil der Bevölkerung Manhattans)
7 So wäre auch dieser Text nicht möglich, wäre nicht die Bib in den letzten Jahren durch eine Rückkehr verkörperter Epistemologien in ihren Kategorien und wissenstheoretischem Selbstverständnis beunruhigt worden. Zu einem wesentlichen Teil sind Disziplinen wie Critical Race Theory, Gender- und Disability-Studies, soziologische Habitus- und Praxistheorien, sowie die politischen Kämpfe, aus denen sie entstanden sind, dafür verantwortlich.
8 Denis Diderot: Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, Band 1. Paris, 1751, S. 191 (Übersetzer*in unbekannt, via: https://de.wikipedia.org/wiki/Aguaxima)
9 Ders.: Philosophische Schriften. (Übersetzt von Theodor Lücke). Frankfurt a.M., 1967. S. 113
10 Melissa Adler: Eros in the library: Considering the aesthetics of knowledge organization. In: Art Libraries Journal 44 (2). Cambridge, 2019. S. 68
11 Ebd.
12 Homer nach: Rana Saadi Liebert: Tragic Pleasure from Homer to Plato. Cambridge, 2017. S. 83
13 Rana Saadi Liebert: Tragic Pleasure from Homer to Plato. Cambridge, 2017. S. 83
14 Vgl. Ebd. S. 63 ff.
15 Ebd. S. 66
16 Kodwo Eshun: Medium Erde: Seismische Sensibilität als planetarische Prognose. (Übers.: Anna-Sophie Springer). In: The Whole Earth. Kalifornien und das Verschwinden des Außen. Berlin, 2014. S. 159 ff.
17 „Wie Lorraine Daston argumentiert, ist der Anbruch der Ära des Anthropozäns von dem Zusammenbruch der Unterscheidungen zwischen menschlicher, technologischer und geologischer Zeit gekennzeichnet.“ Ebd. S. 162
18 Michael Taussig: Sympathiezauber. Texte zur Ethnographie. (Übersetzt von Horst Brühmann) Konstanz, 2013. S. 217
19 Ebd.
20 Friedrich Kittler: Musik und Mathematik. München, 2006. S. 79
21  λλεργία. In: Allergie. Eintrag im Wiktionary. URL: https://de.wiktionary.org/wiki/ Allergie#cite_note-2

Wo nicht anders angegeben, alle Übersetzungen meine.
Der Titel stammt aus: Kathy Acker. Meine Mutter. Dämonologie. (Übersetzt von Lotte Dreimann und Angela Rummel). Berlin, 1995. S. 205





Der Text Träumend, die Erde sei lebendig von Benedikt Kuhn ist Teil der Ausstellung Cultivation Techniques die vom 25. Februar bis zum 15. April im Schaufenster des KV Leipzig und online stattfindet


KV – Verein für zeitgenössische Kunst Leipzig e.V.
Kolonnadenstraße 6
04109 Leipzig
kv.kunstvereinleipzig(at)gmail.com
AUFGRUND DER CORONA-SCHUTZVERODNUNG BIS AUF WEITERES GESCHLOSSEN

Öffnungszeiten bei Ausstellungen:
MI 14—18
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Aktuell / Vorschau
Cultivation Techniques


Eröffnung
Donnerstag, 25.02.

Ausstellung
26.02.—15.04.

Online Event jeden Freitag

Dorota Gawęda und Eglė Kulbokaitė
Cosima zu Knyphausen

Theresa Zwerschke
Hjördis Lyn Behncken
Benedikt Kuhn

Cultivation Techniques ist eine Gruppenausstellung, die innerhalb des Projektes K – V Enzyklopädie des
KV — Verein für zeitgenössische Kunst Leipzig e.V. realisiert wird und bei der Arbeiten der Künstlerinnen Dorota Gawęda und Eglė Kulbokaitė und Malereien von Cosima zu Knyphausen hinter den Schaufenstern des KV zusammentreffen. Online werden Beiträge von Theresa Zwerschke, Hjördis Lyn Behncken und Benedikt Kuhn zu sehen und zu hören sein. Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Konstituierung von Wirklichkeiten - dem Erzählen der Geschichte - angesichts der im Daten-Wust verschwimmenden Autor*innenschaft, eingedenk der chronisch verschwimmenden Autor*innenschaft der Geschichtserzählung im Allgemeinen. Wie schaffen wir Umsicht unter kritischer Einbeziehung des Subjekts?

Jede*r von uns ist Teil einer Geschichte; für sich selbst, aber auch als Mitglied einer Gemeinschaft, eines größeren Ganzen. Im profunden Sinne sind wir Geschichten. Wir lesen oder erzählen nicht alle die gleiche Geschichte, manchmal stolpern oder schlüpfen wir in eine andere Geschichte, manchmal lassen wir uns in eine andere hineinziehen. Wenn wir nicht von jemandem oder von Organisationen wie Schulen, Bibliotheken, Archiven und Museen angesprochen werden, bildet das Fehlen dieser Geschichten Wissenslücken in den öffentlichen Diskursen, die unser kollektives Bewusstsein und Gedächtnis prägen. Kollektives Wissen und öffentliches Bewusstsein spinnen sich durch Geschichten (und die Performance dieser Geschichten). Geschichten, die ungesehen bleiben, ignoriert worden sind oder in großen öffentlichen Institutionen öfter erzählt werden könnten, spielen (in ihrer Verschlossenheit) eine ebenso große Rolle wie alle anderen. Wie würden sich die Realitäten anders konstituieren, wenn Räume eingenommen und besetzt würden und das Flüstern aus den Nischen und Ritzen ins Scheinwerferlicht gerückt würde?

Diese Ausstellung wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, das Kulturamt der Stadt Leipzig und die Stiftung Pro Helvetia.





A Artistic Research
 Aufmerksamkeitsdefizitkultur
B Bildungslücke
 Black Mountain College
 Blinder Fleck
C Chaos
 CIAD
D Darknet
 Deep State
 Derive
 Diskretion
 DIY
E Elfenbeinturm
 Experiment
F Fröbel
 Fußnote
G Gedächtnistheater
 Gordischer Knoten
 Gossip
H Hacker
 Halluzination
 Human Resource
 Hochstapler
I IBM
 Ikonoklasmus
J Jeopardy
K Kognitiver Kapitalismus
 Kollektives Trauma
 Körperwissen
 Kulturelles Gedächtnis
L Labor
 Logik
 LSD
 LTI
M Meinung
 Mind Palace
 Minecraft
 Mnemosyne
 Musée imaginaire

N Neuro-Science
 News Cycle
 Nichtwissen
O Objektivität
 Orakel von Delphi
 Ordnung
P Paradebeispiel
 Perspektive
 Perzeption
 Projektion
Q q. e. d.
 Queer
 Quelle
 Quiz
R Reizüberflutung
 Rhizom
 Russels Teekanne
S Schule des Lebens
 Science & Fiction
 Simulation
 Sinnliche Wahrnehmung
T Technologien des Selbst
 Terminologie
 Theater der Natur und Kunst
 Theorie & Praxis
 Tools
U Universalgelehrte
V Vergessen
 Verschwörung
 Visualisierung
 Visuelle Argumentation
W Was ist was
 Wer wird Millionär?
 Willi wills wissen
 Xanadu
X Zaubereiministerium
Z Zauberkugel
 Zensur
 Zirkelschluss





Archiv 2020

Die Ausstellungen Symposion, hidden labor across und Die Antwort kommt sind Teil des Projekts K—V Enzyklopädie.



Die Antwort kommt


Eröffnung
Donnerstag, 29.10., 16—21 Uhr

Ausstellung
30.10.—15.12.
Özlem Altin
Antonia Baehr
Lucile Desamory

Der Mensch ist in besonderer Form mit den Dingen verbunden – sie sind Wissensspeicher, besitzen eine Biografie, verkörpern Beziehungen und stehen häufig als Stellvertreter*innen für eine symbolische Ordnung. Folglich können Dinge als Akteur*innen eine Handlung vollziehen. Eine Ausstellung ist Teil dieses Systems, da sie mit Menschen und Dingen – ob mit Kunstwerken oder Dokumenten – Geschichten erzählt. Dazwischen liegen das Nichtgesagte und das Nichtgezeigte gleichermaßen präsent. Dass sie dieses Dazwischen beschreiben und klassische Ordnungssysteme hinterfragen, verbindet das bildnerische und performative Denken und Handeln der drei beteiligten Künstlerinnen.

Kuratiert von Susanne Weiß
Tombola 2020
( ... more)

Preview Tombola Beiträge
20.—23.10.2020, 16—19 Uhr

Tombola Verlosung
Samstag, 24.10., 19—21 Uhr

Nietenblatt von Henrike Naumann
Der KV ist ein Ort zeitgenössischer Kunst und der Teilhabe. Realisiert wird das Programm durch Mitgliedsbeiträge, öffentliche Fördergelder, prekäre Arbeitsverhältnisse und ehrenamtliches Engagement. Um die Ausstellungen, Veranstaltungen und künstlerischen Neuproduktionen finanzieren zu können, veranstalten wir wieder die jährliche Tombola. Die von den uns unterstützenden KünstlerInnen gespendeten Werke machen die Tombola erst möglich. Der Lospreis von 60 Euro erlaubt es einem breiten Publikum, Zugang zu außergewöhnlichen Kunstwerken zu erhalten und gleichzeitig den KV zu unterstützen.


Oyoyo
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Film-Screening
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Chetna Vora
Oyoyo (1980) is a cine-portrait of an educational internationalism with students from Chile, Guinea-Bissau, the Mongolian Soviet Republic, Cuba and Bulgaria studying economy at the “Hochschule für Ökonomie Berlin- Karlshorst” in the late 1970s. The director is the Indian filmmaker Chetna Vora who mobilizes the film-camera as a means to listen to the problems that the students encounter in their education, what they miss in the GDR, and how they imagine their future. The candid conversational scenes situated in the students’ dormitory in Berlin-Karlshorst alternate with music by Cuban songwriter Silvio Rodriguez, the Brazilian singer Nara Leão and songs in Cape Verdean Créole. As a daughter of a communist communist family from Palitana in Gujarat in India, Chetna Vora came to Berlin in the mid- 1970s to study film at the Konrad Wolf Film Academy in Potsdam-Babelsberg.

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Eröffnung
Samstag, 22.8., 14—22 Uhr

Ausstellung
22.8.—17.10.2020
Vinit Agarwal
Joo Young Hwang
Aarti Sunder
Ruth Wolf-Rehfeldt
Chetna Vora
Hidden Labor Across (inter∞note) beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern die Idee des Internationalismus als politisches Konzept des 20. Jahrhundert in aktuellen Debatten um Globalisierung von Arbeit, Technologie und Wissen eine unvollendete Narration darstellt. Es ist die erste kuratorische Artikulation des internationalen Forschungsprojektes Decolonizing Socialism. Entangled Internationalism.

Kuratiert von Doreen Mende




S
Συμπόσιον
Symposion

Eröffnung
Freitag, 12.6., 14—22 Uhr

Ausstellung
13.6.—25.7.2020

Heike Geißler
Antye Guenther
Sidsel Meineche Hansen
Emanuel Mathias
Agnes Meyer-Brandis
Alexander Pannier
Mit dem Auftakt der K—V Enzyklopädie zum Thema Wissen wird der Versuch einer Rekonstruktion eines Begriffs unternommen, der heute ein institutionalisiertes und ritualisiertes Format der Wissensproduktion beschreibt. Im ursprünglichen Sinne des griechischen Symposions als eine kollektiv-ästhetische Erfahrung stehen hier nicht diskursive Expertise, sondern künstlerische Positionen im Dialog. Während die eingeladenen KünstlerInnen die Adaption (natur-)wissenschaftlicher Betrachtungsgegenstände und Instrumentarien eint, kommt deren Neuperspektivierung in unterschiedlichster Weise zum Ausdruck.
KV Support
Überfahrt
(Spector Books, Volte Expanded #4)



Buchpremiere und Eröffnung
wegen COVID-19 abgesagt


Ausstellung 28.3.—8.4.20
wegen COVID-19 abgesagt



Roman Ehrlich
Michael Disqué


Roman Ehrlich (Text)
Michael Disqué (Bild)
Matthias Krieg (Ton)
Jörn Dege (Moderation)
Zwei Künstler reisen 40 Tage mit einem Containerschiff von Hamburg nach Qingdao, China. Entstanden ist daraus ein Text-Bild-Essay über die politischen Bedingungen des weltweiten Güterverkehrs, die brüchigen Narrative der Seefahrt sowie den Verlust der Sprache und der Festlandswirklichkeit.

KV Support
Die Dinge in Bewegung
Jens-Martin Triebel
Ausstellung 14.—16.2.20
Auf der Oberfläche der Weltmeere werden Unmengen an Waren verschoben. Die Natur muss sich der kulturellen Ordnung unterwerfen. Doch die Farben und Temperaturen der Weltmeere verändern sich. Dinge die einst im Meer versanken und für verloren geglaubt wurden, tauchen unerwartet wieder auf. Ein Dialog zwischen Mensch und Meer entsteht. Die Installation bringt Fragmente dieses Gespräches zum Vorschein und blickt auf den Umgang mit den uns umgebenden Dingen.
Jens-Martin Triebel (*1985) studiert in der Fachklasse für Bildende Kunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Im Rahmen des Diploms zeigt er seine multimediale Installation: Die Dinge in Bewegung.